
Katzen mit Diabetes Mellitus: Ursachen, Behandlung & Alltag
Diabetes mellitus ist bei Katzen eine Erkrankung, die den Blutzuckerspiegel beeinflusst und häufig eine lebenslange Behandlung erfordert. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Ursachen, Symptome und Therapien es gibt und wie Sie den Alltag mit einer zuckerkranken Katze meistern können.
Inhaltsverzeichnis
Krankheitssteckbrief: Diabetes bei Katzen
- Symptome: Erhöhter Durst, vermehrtes Wasserlassen, Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, Apathie
- Verlauf: Chronisch
- Schwere der Erkrankung: Unterschiedlich, abhängig von Diagnosezeitpunkt und Therapie
- Häufigkeit: Häufig; die Krankheit tritt in den letzten Jahren vermehrt auf, vermutlich durch veränderte Haltungs- und Fütterungsbedingungen
- Vorkommen: Bei allen Katzen; betroffene Katzen sind häufig übergewichtig, mindestens 7 Jahre alt und männlich
- Diagnose: Tierärztliche Untersuchung, Messung von Blutzucker und Untersuchung des Urins
- Behandlung: Gabe von Insulin, angepasste Ernährung, regelmäßige Kontrolle der Blutzuckerwerte
- Prognose: Gut behandelbar bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter Therapie
- Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend
- Fachgebiet: Endokrinologie
Was ist Diabetes bei Katzen und welche Typen gibt es?
Diabetes mellitus bei Katzen, oft auch als Katzendiabetes bezeichnet, ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Das Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird, spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel Ihrer Samtpfote. Es sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangt, wo er als Energiequelle dient.
In einigen Fällen von Diabetes mellitus bei Katzen liegt eine Insulinresistenz vor. Das bedeutet, dass die Körperzellen nicht mehr ausreichend auf Insulin reagieren, obwohl das Hormon vorhanden ist. Dieser Zustand zwingt die Bauchspeicheldrüse dazu, noch mehr Insulin zu produzieren. Fehlt Insulin oder wird es von den Zellen nicht erkannt, bleibt der Zucker im Blut und kann vom Körper nicht genutzt werden. Dies führt zu einem Energiemangel in den Zellen, während der Blutzuckerspiegel gefährlich ansteigt.
Es gibt zwei Haupttypen von Diabetes mellitus, die bei Katzen auftreten können: Typ-1 und Typ-2.
Diabetes mellitus Typ-1 bei Katzen
Typ-1-Diabetes bei Katzen ist durch einen absoluten Insulinmangel gekennzeichnet. Die Zellen, die Insulin in der Bauchspeicheldrüse produzieren, sind in diesen Fällen geschädigt oder zerstört, sodass die Katze zu wenig oder gar kein Insulin mehr bilden kann. Dieser Typ betrifft etwa 30 % der Katzen mit Diabetes und hat oft genetische oder immunologische Ursachen. Eine Insulingabe ist für Katzen mit Typ-1-Diabetes lebensnotwendig.
Diabetes mellitus Typ-2 bei Katzen
Typ-2-Diabetes ist die häufigste Form des Katzendiabetes und betrifft etwa 70 % der erkrankten Tiere. Diese Form entsteht durch zwei Faktoren: Die Bauchspeicheldrüse produziert nicht ausreichend Insulin und gleichzeitig reagieren die Körperzellen nicht mehr richtig auf das vorhandene Hormon (Insulinresistenz).
Dieser doppelte Effekt führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel nicht mehr reguliert werden kann. Der Zucker verbleibt im Blut, während die Zellen des Körpers, insbesondere in Organen wie Gehirn und Muskeln, nicht ausreichend mit Energie versorgt werden. Dieser Mangel und die dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerte können den gesamten Organismus der Katze erheblich belasten und langfristig zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen führen.
Ursachen von Diabetes bei Katzen
Diabetes mellitus bei Katzen kann durch verschiedene Risikofaktoren begünstigt werden. Während Sie einige Ursachen durch eine angepasste Lebensweise Ihrer Katze beeinflussen können, liegen andere außerhalb Ihres Einflussbereichs. Dies sind die wichtigsten Risikofaktoren für Diabetes:
- Übergewicht bei Katzen
- Bewegungsmangel
- Alter
- Kastration von Katzen
- Hormonelle Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze
- Chronische Entzündungen (insbesondere der Bauchspeicheldrüse)
- Medikamente wie Kortison, Glukokortikoide und Progestagene
Symptome von Katzen mit Diabetes

Diabetes kann sich bei Katzen durch verschiedene Symptome äußern, die oft schleichend auftreten und leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden können. Das frühzeitige Erkennen der Symptome kann entscheidend für den Therapieerfolg sein. Typische Anzeichen von Katzen mit Diabetes sind:
- Gesteigerter Durst
- Vermehrtes Wasserlassen
- Gesteigerter Appetit
- Gewichtsverlust, trotz vermehrtem Fressen
- Lethargie
Wie wird Diabetes bei der Katze diagnostiziert?
Die Diagnose von Diabetes bei Katzen erfolgt in der Regel durch Blutuntersuchungen bei der Katze, ergänzt durch eine Analyse der Urinwerte. Dabei steht die Blutentnahme im Mittelpunkt, da sie die zuverlässigsten Hinweise auf einen möglichen Diabetes liefert.
Bei der Blutuntersuchung wird zunächst der Blutglukosewert (Blutzucker) bestimmt. Ein dauerhaft erhöhter Wert kann auf Diabetes hindeuten, allerdings kann Stress bei Katzen, ausgelöst beispielsweise durch einen Besuch bei der Tierärztin oder dem Tierarzt, den Blutzucker kurzfristig erhöhen. Um sicherzugehen, wird zusätzlich der Fruktosaminwert im Blut gemessen. Dieser zeigt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 2 bis 3 Wochen an und ermöglicht eine genauere Diagnose.
Ergänzend kann auch der Glukosegehalt im Urin untersucht werden. Normalerweise sollte kein Zucker im Urin nachweisbar sein. Bei Diabetes ist dies jedoch häufig der Fall, da überschüssiger Zucker über die Nieren ausgeschieden wird.
Behandlung von Katzendiabetes

Die Behandlung von Diabetes bei Katzen erfordert eine konsequente Therapie, die den Blutzuckerspiegel stabilisiert. Dabei steht die Gabe von Insulin im Mittelpunkt, deren Dosis individuell auf die Bedürfnisse Ihrer Katze abgestimmt wird. Die Tierärztin oder der Tierarzt empfiehlt in der Regel ein spezifisches Insulin und gibt Ihnen genaue Vorgaben zur Dosis und Häufigkeit der Verabreichung. Meist kommt ein Langzeit- oder Intermediär-Insulin zum Einsatz, das zweimal täglich gespritzt wird.
Die Katzenernährung spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Zuckerkrankheiten wie Diabetes. Durch das angepasste Füttern können Blutzuckerschwankungen minimiert und die Insulintherapie unterstützt werden. Wichtig ist, dass Sie die Ernährung Ihrer Katze in Absprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt anpassen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
Katzen mit Diabetes profitieren von Futter mit wenig Kohlenhydraten. Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen, was für zuckerkranke Katzen problematisch ist. Stattdessen sollten Sie auf hochwertiges Futter mit einem hohen Anteil an Proteinen und moderaten Fettgehalten setzen, das speziell für Katzen mit Diabetes entwickelt wurde. Auch Leckerlis und Snacks sollten genau geprüft werden, da viele handelsübliche Produkte Zucker oder Kohlenhydrate enthalten, die den Blutzuckerspiegel unnötig erhöhen.
Neben der konsequenten Gabe von Insulin und einer angepassten Ernährung bleiben regelmäßige tierärztliche Kontrollen unerlässlich. Nur durch diese Überwachung kann sichergestellt werden, dass die Blutzuckerwerte im gesunden Bereich bleiben und mögliche Komplikationen frühzeitig erkannt werden. Die Tierärztin oder der Tierarzt überprüft dabei nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern auch den allgemeinen Gesundheitszustand Ihrer Katze, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Wie lange kann eine Katze mit Diabetes mit Behandlung leben?
Mit der richtigen Behandlung und Pflege können zuckerkranke Katzen viele Jahre ein normales Leben führen. Die Prognose hängt vor allem davon ab, wie früh die Krankheit diagnostiziert wurde und wie konsequent die Therapie durchgeführt wird. Regelmäßige Insulingaben, eine angepasste Ernährung und die Kontrolle der Blutzuckerwerte sind entscheidend, um das Risiko von Komplikationen zu minimieren. Viele Katzen, deren Diabetes gut eingestellt ist, erleben keine wesentlichen Einschränkungen im Alltag und können ein hohes Alter erreichen.
Ein großer Vorteil der frühzeitigen Diagnose und konsequenten Therapie von Diabetes bei Katzen ist die Möglichkeit einer Remission. Bei bis zu 50 % der Samtpfoten kann sich die Krankheit innerhalb der ersten 12 Monate nach der Diagnose zurückbilden, sofern der Blutzucker frühzeitig und gut reguliert wird. Diese Remission ist jedoch nur durch eine Insulintherapie und die genaue Anpassung der Insulindosis möglich. Je stabiler die Blutzuckerwerte, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Katze den Diabetes „verliert“.
Welche Komplikationen drohen, wenn Diabetes bei der Katze unbehandelt bleibt?
Unbehandelter Diabetes kann für Katzen schwerwiegende und lebensbedrohliche Folgen haben. Durch den dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel werden nach und nach Zellen geschädigt, wodurch Nerven- und Gefäßschädigungen entstehen können. Gleichzeitig verliert die Katze durch den verstärkten Harndrang kontinuierlich Flüssigkeit, was eine zunehmende Austrocknung (Dehydrierung) zur Folge hat.
Ohne rechtzeitige Behandlung des Diabetes Ihrer Katze droht zudem eine fortschreitende Unterzuckerung (Hypoglykämie). Diese Unterzuckerung kann Ihr Tier zunehmend schwächen, Muskelkrämpfe verursachen und ihre Orientierung beeinträchtigen. Besonders gefährlich ist das Risiko einer Ketoazidose, bei der sich saure Stoffwechselprodukte im Blut anreichern. Ketoazidose geht oft mit Symptomen wie dem Erbrechen der Katze, einer Appetitlosigkeit der Katze und extremer Lethargie einher.
Auch Organe wie die Nieren, die Augen und das Nervensystem können durch die dauerhaft hohen Blutzuckerwerte bei einer ausbleibenden Behandlung erheblich geschädigt werden. Da die Zellen der Katze den Zucker im Blut nicht als Energiequelle nutzen können, greift der Körper auf Fett- und Muskelreserven zurück. Dies kann einen deutlichen Gewichtsverlust, körperliche Schwäche und einen schlechten Allgemeinzustand verursachen.
Im Endstadium der unbehandelten Erkrankung droht ein Zuckerkoma, das akut lebensbedrohlich ist. Wird der Diabetes nicht rechtzeitig behandelt, kann dies dazu führen, dass die Lebensqualität der Katze stark eingeschränkt wird. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie von Katzen mit Diabetes sind daher entscheidend, um die beschriebenen Komplikationen zu vermeiden und Ihrem Tier ein glückliches Leben zu ermöglichen.

Der Alltag mit einer diabeteskranken Katze

Diabetes bei Ihrer Katze bedeutet, Ihren Alltag an die Bedürfnisse des Tieres anzupassen, um ein stabiles Leben mit der Erkrankung zu ermöglichen. Mit den richtigen Routinen, konsequenter Behandlung und etwas Geduld kann Ihre Katze weiterhin ein erfülltes Leben führen.
Routinen
Ein geregelter Tagesablauf ist für zuckerkranke Katzen besonders wichtig. Feste Fütterungszeiten unterstützen die Stabilisierung des Blutzuckerspiegels. Spezialfutter mit einem niedrigen Gehalt an Kohlenhydraten kann dabei helfen, starke Schwankungen zu vermeiden. Achten Sie außerdem darauf, dass Ihre Katze jederzeit Zugang zu frischem Wasser hat, da sie aufgrund des Diabetes oft mehr trinkt. Zudem ist es empfehlenswert, eine Katze mit Diabetes nicht lange alleine zu lassen, da eine schnelle Reaktion auf gesundheitliche Veränderungen, wie Unterzuckerung, entscheidend sein kann.
Behandlung
Die Insulinspritzen sind essentiell für die Behandlung und müssen regelmäßig verabreicht werden. In der Regel wird Insulin zweimal täglich injiziert – idealerweise zu festen Zeiten und in Kombination mit den Mahlzeiten. Mit etwas Übung wird die Insulintherapie zur Routine, und Ihre Katze gewöhnt sich schnell an die Prozedur.
Tierarztbesuche
Regelmäßige Kontrollbesuche der Tierärztin oder beim Tierarzt sind für Katzen mit Diabetes unerlässlich. Dabei werden Blutzuckerwerte überprüft, die Insulindosis angepasst und der allgemeine Gesundheitszustand Ihrer Katze bewertet. Diese Besuche sind wichtig, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die Behandlung optimal anzupassen.
Bewegung
Ausreichend Bewegung ist für zuckerkranke Katzen wichtig, da sie so dabei unterstützt werden, ein gesundes Gewicht zu halten und den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Motivieren Sie Ihre Katze beispielsweise mithilfe von interaktivem Spielzeug dazu, sich regelmäßig zu bewegen. Bewegung hilft dabei nicht nur dem Stoffwechsel, sondern sorgt auch für ein besseres Wohlbefinden.
Fazit: Diabetes bei der Katze ist gut behandelbar
Diabetes ist bei Katzen eine ernstzunehmende Erkrankung, die jedoch gut behandelbar ist, wenn sie frühzeitig erkannt wird. Mit der richtigen Therapie, festen Routinen und regelmäßigen tierärztlichen Kontrollen kann Ihre Katze ein nahezu normales und glückliches Leben führen. Wichtig ist, sich konsequent an den Behandlungsplan, der unter anderem eine feste Insulindosis und eine angepasste Ernährung mit wenig Kohlenhydraten umfasst, zu halten. Unbehandelter oder falsch therapierter Diabetes kann schwere Komplikationen wie Ketoazidose oder Unterzuckerung nach sich ziehen. Obwohl die Diagnose zunächst herausfordernd erscheinen mag, kann der Umgang mit der Krankheit für Sie und Ihre Katze mit der Zeit zur Routine werden.
Quellenangaben:
- https://flexikon.doccheck.com/de/Diabetes_mellitus_(Katze)
- https://www.med.vetmed.uni-muenchen.de/einrichtungen/innere_medizin/leistungen/endokrinologie/diabetes_mellitus.pdf
- https://www.bft-online.de/kleintiergesundheit/diabetes-mellitus-wenn-die-katze-zu-viel-zucker-im-blut-hat
- https://flexikon.doccheck.com/de/Diabetische_Ketoazidose_(Katze)